aktuell, 26.07.2026
Deutschlandweit ein Pionierbauwerk, heute ein Sorgenkind: Die Wettersäule am Bad Godesberger Draitschbrunnen zählt zu den ältesten ihrer Art im ganzen Land – doch der historische Sandstein verwittert zusehends.
Als der Verschönerungsverein Godesberg im Jahr 1876 eine klassizistische Sandsteinsäule nahe der Redoute errichten ließ, schuf er damit die heute älteste erhaltene Wettersäule Deutschlands.
In einer Epoche, in der verlässliche Vorhersagen noch Zukunftsmusik waren, bot das Bauwerk den Gästen des aufstrebenden Kurorts einen exklusiven Service: Drei in den Obelisken eingelassene Instrumente – ein Barometer, ein Thermometer sowie ein Hygrometer – informierten die Flanierenden direkt vor Ort über Luftdruck, Temperatur und Feuchtigkeit.
Eine eingemeißelte Anleitung half dabei, die gemessenen Werte selbstständig zu deuten und das kommende Wetter einzuschätzen.
Im Laufe der Jahrzehnte erlebte das unter Denkmalschutz stehende Relikt der rheinischen Umweltmesstechnik eine bewegte Geschichte. Mehrfach versetzt – unter anderem 1904 an die Treppe des Mineralbads und in den 1950er-Jahren in den Stadtpark – kehrte die Säule erst 2019 wieder an ihren historischen Wirkungsort nahe der Draitsch-Quelle zurück.
Heute zeigt sich das fast 150 Jahre alte Bauwerk jedoch in einem traurigen Zustand. Der rote Sandstein ist Wind und Wetter schutzlos ausgeliefert: Feuchtigkeit und Frost setzen dem Material stark zu, die Oberfläche bröckelt ab und die Inschriften verblassen zunehmend. Ohne eine baldige, fachgerechte Sanierung droht dieses einzigartige Stück Geschichte langsam, aber unaufhaltsam zu verwittern.
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