Temperaturen sind nicht alles!

Spezial, 26.08.2026

Verdunstung bricht Rekorde: Wenn Böden keine Feuchtigkeit mehr abgeben können, wird es kritisch. Doch was treibt den gewaltigen Wasserverlust an der Oberfläche eigentlich genau an? Die Antwort überrascht.

Der Sommer 2026 hat es nachdrücklich gezeigt: Deutschland und Europa trocknen immer weiter aus.

Was hinter dieser extremen Entwicklung steckt – ob primär der menschengemachte Temperaturanstieg oder die spürbar zugenommene Sonnenscheindauer –, zeigen Langzeitmessungen der Piche-Verdunstung an einem konkreten Standort.

Mithilfe von KI-gestützten Datenanalysen haben wir diese Messwerte über einen Zeitraum von 100 Jahren ausgewertet. Dabei erweist sich vor allem der enorme Einfluss der Sonnenscheindauer als erstaunlich: Ein Faktor, der in der öffentlichen Debatte meist völlig unterschätzt wird und den vielen in dieser Intensität gar nicht bewusst ist.

Verdunstung auf Rekordniveau

Im Jahr 2025 erreichte die potenzielle Verdunstung mit rund 800 Litern pro Quadratmeter den höchsten Wert der letzten Jahre – vergleichbar mit extremen Vorjahren und deutlich über feuchteren Jahren wie 2021 mit etwa 600 Litern.

Vergleich Jahresverdunstung 2026 (mit Hochrechnung) mit mittlerer Verdunstung 2021-2025
© www.donnerwetter.de 

Die tatsächliche Verdunstung lag zwar darunter, weil die ausgetrockneten Böden schlicht kein Wasser mehr abgeben konnten, doch die potenzielle Verdunstungsmenge verdeutlicht den gewaltigen Wasserverlust an der Oberfläche. Insgesamt hat die potenzielle Verdunstung in den vergangenen 100 Jahren um etwa 26 % zugenommen, was einem Anstieg von durchschnittlich 580 Litern pro Quadratmeter auf mittlerweile rund 700 Liter entspricht.

Die folgende Grafik vergleicht zwei Szenarien der jährlichen Verdunstung über mehr als 100 Jahre.

Die roten Balken (kombiniert) zeigen die tatsächliche Entwicklung, getrieben durch die Kombination von steigenden Temperaturen und zugenommener Sonnenscheindauer. 

Die orangenen Balken (nur Temperatur) zeigen ein Modellszenario, in dem nur der Temperaturanstieg berücksichtigt wird, während die Sonne auf dem Stand der 1900er Jahre konstant bleibt. 

© www.donnerwetter.de 

 

Die Aufschlüsselung der Messdaten bringt überraschende Erkenntnisse: Nur etwa die Hälfte dieses Anstiegs (11 bis 13 %) geht direkt auf das Konto steigender Temperaturen. Die andere Hälfte wird durch die Zunahme der Sonnenscheindauer verursacht – ein Nebeneffekt, der sich aus der verbesserten Luftqualität in Europa mit weniger Aerosolen sowie aus klimawandelbedingten, länger anhaltenden Hochdrucklagen zusammensetzt.

Da die Sonnenscheindauer physikalisch kaum noch weiter steigen kann, wird sich diese Dynamik in den kommenden Jahrzehnten jedoch umkehren.

Projektion bis 2080: Der Temperatureffekt übernimmt

Bei gleichbleibendem Sonnenschein und moderater Erwärmung dürfte die Verdunstung bis 2050 um weitere 5 % und bis 2080 um insgesamt 7 bis 10 % zulegen – auf einen Schnitt von 740 bis 750 Litern pro Quadratmeter.

Dieser künftige Zuwachs wird fast ausschließlich vom Temperaturanstieg getrieben. Um diesen massiven Wasserverlusten entgegenzuwirken, sind rasche Anpassungen in der Landnutzung und im Wassermanagement unverzichtbar:

Niederschläge müssen gezielt aufgefangen und versickert werden, während Flüsse verlangsamt werden müssen, um das Wasser möglichst lange in der Landschaft zu halten.

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